Wohnen – Wohnst du auch in deiner Stadt? / Zukunft des Wohnens – wie kann sie aussehen?

Ich hatte in den letzten drei Jahren die Möglichkeit an einem Projekt mitzuarbeiten, welches den vielsagenden Untertitel „Haus der Zukunft“ trägt. Erste Gedanken zum LISI Haus entstanden bereits 2011, als die TU Wien sämtlichen Studierenden einer Semesterarbeit genau jene Frage stellte, nämlich: „Wie sieht die Zukunft des Wohnens aus?“ Dass sich aus den ca. 30 Projekten und Vorentwürfen schlussendlich das LISI Haus mit seinen heutigen Erfolgen und seiner starken Präsenz entwickelte, konnte auch ich nicht ahnen.

Team Austria – wie sich das Kollektiv aus drei österreichischen Hochschulen und dem AIT fortan nannte – bewarb sich 2012 mit LISI beim Solar Decathlon Wettbewerb in den USA, den weltweit wohl bedeutendste Wettbewerb rund um solares Bauen. In zehn Einzelbewerben, unter anderem Architektur, Innovation, Kommunikation, Marktfähigkeit oder Komfort, konnte LISI sich als Gesamtsieger gegen 19 internationale Universitäten durchsetzen. Ich möchte jedoch zwei signifikante Eigenschaften, die LISI durchaus zu einem Haus der Zukunft machen, hier weiter erörtern.

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Zum einen wäre da die im Haus verbaute, fast unsichtbare Technik. Nicht nur eine uneinsehbare Photovoltaik Anlage am Dach, sondern auch ein relativ kleiner Technikraum, sowie unauffällige Schlitze für Be- und Entlüftung des Wohnraumes tragen zu einer signifikanten Reduktion der alltäglichen Präsenz von Technik bei. LISI soll in dem Hinblick zwar modern und innovativ agieren, nicht jedoch zu einer technischen Herausforderung für ihre Bewohner werden. Vor nicht all zu langer Zeit war es durchaus en vogue, Gebäude mit einem hohem Grad an intelligenter, moderner Technik dementsprechend auch nach Außen als solche zu präsentieren. Da diese Entscheidungen oft auch mit höheren Investitionskosten verbunden waren, musste diese Technik für viele Bauherren und Auftraggeber stark in den Vordergrund positioniert werden. LISI entscheidet sich ganz gezielt gegen ein Erscheinungsbild, welches schon von weitem „Plus-Energie-Haus“ ruft. Möglich ist das nur, wenn architektonische Planung und Haustechnik bereits von Anfang an Hand in Hand gehen.

Erst wenn alle Komponenten des Hauses optimal aufeinander abgestimmt sind, entsteht ein Haus, das optimale Wohnqualität bietet und dabei wirklich umweltfreundlich ist.

Ein Bereich, der in Diskussionen rund um Wohnformen der Zukunft immer wieder auftaucht, ist jener der Bebauungsdichte. Der berühmte urban sprawl – also das unstrukturierte Wachstum im unbebautem Raum – war auch ein Kernthema für das Team rund um LISI. Das Wettbewerbskonzept des Solar Decathlon gerat in der Vergangenheit immer wieder in Kritik, da nur einzelne kleine Häuser – die trotz ökologischer Optimierung wenig nachhaltig sind – entworfen und getestet werden. Team Austria setzte sich zum Ziel auch diese Frage über ihr Designkonzept zu lösen; eine Antwort auf eine Frage zu finden, die von den Organisatoren so konkret nicht gestellt worden ist. Doch ein Haus der Zukunft kann nur als solches bezeichnet werden, wenn die Thematik der urbanen Verdichtung bereits in der Planung mit einbezogen wird. LISI wurde so konzipiert, dass eine Gruppe solcher Häuser in verschiedenen Konstellationen miteinander verbunden und kombiniert werden kann. Mit LISIs flexibler Fassade bzw. Außenhülle, können die Wohnbereiche von den Bewohnern frei definiert werden. So kann man ganz smart die benötigte Fläche für Wohnräume minimieren und verdichten, ohne dabei die Privatsphäre zu beeinflussen. 

Seit Anfang Oktober ist LISI zurück in Österreich und für Besucher in der Blauen Lagune bei Wien geöffnet. Bereits während der intensiven Planungsphase konnten wir heimische Unternehmen für LISI insofern begeistern, als dass sie das Projekt nicht nur vor und in Kalifornien unterstützen, sondern auch nach einer Rückkehr in Österreich. Genau diese Kooperation und Multidisziplinarität zeichnet LISI unter anderem als sehr gut funktionierende Case-Study für ein Haus der Zukunft aus: der aktive Dialog zwischen Hochschulen, Firmen und schlussendlich dem Kunden ist ein wichtiger Schritt um die Diskussion rund um Wohnen der Zukunft öffentlicher zu gestalten.

 

Dieser Artikel wurde im Zuge der Debatte "Zukunft Wohnen: Welche Konzepte gibt es?" auf BuildingBlogs.at am 08.10.2014 veröffentlicht.